Skip to content
Published 22. Februar 2024

– Staatsbürgerkunde für Stadtwerke-Versteher:innen –

Wer Stadtwerke verstehen will, muss Städte verstehen. Das weiß ich, weil ich schon lange für einen Stadtwerke-Dienstleister arbeiten darf. Schon lange auch war ich auf der Suche nach Gäst:innen aus Städten und Stadtverwaltungen und zack heute ist Ralf Ritter bei mir. Er ist ein sogenannter technischer Beigeordneter bei der Stadt Brühl, die hier bei mir ein paar Meter südlich von Köln liegt (berufsbedingt kenne ich auch das zugehörige Stadtwerk).

Und mit dieser Job-Beschreibung, die anderswo Planungsdezernent oder ähnlich heißt, sind wir gleich am Anfang auch schon mitten drin in meiner kleiner Staatsbürgerkunde: was ist eigentlich genau eine Stadt? Im Vergleich zu einem Kreis, einer Gemeinde, einer Kommune, … ? Wie hängt das alles zusammen und untereinander? Wie funktioniert das Unternehmen Stadt? Wer macht, wer darf da was? Wer gibt wo die Richtung vor? Genau das hatte ich mir insgeheim erhofft, von meiner ersten Podcastfolge mit Menschen, die eine Stadt am Leben und Laufen halten. So holt mich Ralf Stück für Stück ab, versucht, meine zum Teil recht naiven Fragen zu beantworten und nimmt mich mit in seine Welt, die er als Architekt (Schwerpunkt Städtebau!) auch nach vielen Jahren noch super spannend und wertvoll findet. 

– 1 von 900 für 1000 und 1 Thema –

Als einer von 900 Stadtmitarbeiter:innen (Brühl hat nicht ganz 50.000 Einwohner:innen)  kümmert er sich mit seinem Team um die Themen: Stadtentwicklung, Stadtplanung, Bauaufsicht, Mobilität, Verkehrsplanung, Tiefbau, Straßenbau, Entwässerung, Kanalisation, Klärwerk und gebäudemäßig eigentlich alles, was oberhalb der Erde gebaut wird. Dazu noch die Bereiche Klimaschutz und Umweltschutz. Reicht dann auch, dachte da nur.

Dazu kommt die nicht immer komfortable Sandwich-Position zwischen den politischen Vorgaben aus Brüssel, Berlin, Düsseldorf und den täglichen Erwartungen der Brühler:innen an ihr Wohnen, Leben und Arbeiten in der Phantasialand-Stadt. Zudem muss er in diesem seit Jahren komplizierter werdenden „System Stadt“ (keiner hätte es je einfacher gemacht) quasi rechtsfehlerei unterwegs sein, damit möglichst wenig Zeit dafür drauf geht, sich mit Klagen und Rechtsstreitigkeiten zu beschäftigen. Das kann eine Verwaltung schon sehr ordentlich belasten. Entsprechend vorsichtig sind die meisten dann auch.

– Der Flächennutzungplan in der Katastrophen-Wendewelt –

Für seinen Job ist Ralf viel draußen unterwegs in Brühl, vor Ort bei den Bürger:innen, erläuft sich so seine Stadt (er ist bald erst ein Jahr da) und entwickelt so aus dem Kleinen heraus, den Überblick fürs Große und Langfristige. Sein zentrales Werkzeug dafür sind viele Gespräche und der sogenannte Flächennutzungplan. Ein Plan darüber, welche Flächen in Brühl wem gehören und wofür sie genutzt werden dürfen und sollen, heute und in den kommenden Jahrzehnten.

Irgendwann im Gespräch über energetische Sanierung, leere Innenstädte und Klimaschutzkonzepte kommen wir zur Frage, wie Städte eigentlich auf diese Herausforderungen reagieren sollen, von deren Radikalität laut Ralf die wenigstens Menschen in Brühl eine wirkliche Vorstellung hätten.

– Spielräume durch Vertrauen offen halten –

Zum Beispiel dachte ich, dass Städte ihre Prio-Liste angesichts der Katastrophen da draußen, wie ein Unternehmen in der Krise natürlich auch anpassen können. Zum Beispiel weniger Zeit und Geld für „Lärmschutzwände“ und mehr für „Flächenentsiegelung und Abkühlungsbegrünung“. Oder bei der Mobilitätswende: einfach wie bei der Reise nach Jerusalem Jahr für Jahr weniger Parkplätze und dafür immer bessere Anbindungen und Taktungen für Busse. Vieles hängt in meiner Wahrnehmung aber in bestehenden Systemen und Strukturen, gesetzlich schön zugeschnürt mit insgesamt wenig Spielräumen für Richtungswechsel. Und auch die Bürger:innen seien laut Ralf nur begrenzt offen für repressive Maßnahmen aka Verbote & Co., die vielleicht notwendig wären, um die Stadt zum Beispiel schnell genug auf den Klimawandel einzustellen.

Gut ist es dann, wenn wie in Brühl die Menschen in der oder an der Spitze der letztlich immer noch hierarchisch geprägten Verwaltung sich gegenseitig vertrauen und befähigen , um die wenigen Spielräume bestmöglich auszunutzen.

Insgesamt war es ein sehr spannendes Gespräch für mich und ich könnte mir sehr gut vorstellen, weitere Gäst:innen aus diesem Bereich bei mir begrüßen zu dürfen.

Viele Spaß beim Hören!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert